Wyllam van Oringen war ein aus Danzig stammender Schiffshauptmann. Erwähnenswert sind seine Verbindung zur Kalmarer Angelegenheit sowie das Übertreten der Handelssperre gegen England. Außerdem tritt er als Bürge auf.

Leben

Namensvarianten: Willam Oringen[1], Willam van Oringen[2], Wylhelm de Oringen[3], Wilhem de Oringen[4], Willem van Oringen[5]

Lebensdaten: um 1400

Herkunft: Danzig

Tätigkeitsgebiet: Ostseeraum, England

Verwandtschaft: Es ist bekannt, dass Wyllam van Oringen Erben hatte.

Tätigkeiten

Kalmarer Angelegenheit:

Wyllam van Oringen war zusammen mit Johann Mekelveld Schiffshauptmann einer preußischen Friedeflotte,[6] bestehend aus 80 Mann, einem groß schiff, einer snycke und einer schute aus Thorn, 80 Mann, einem groß schiff, einer snycke und einer schute aus Elbing, 140 Mann, einem groß schiff, einer snycke und einer schute aus Danzig, 50 Mann, einem groß schiff, einer snycke und einer schute aus Königsberg und Brunsperg,[7] welche sich am 23. Juni 1396 bei Hela mit einer aus Lübeck stammenden Friedeflotte vereint.[8] Anschließend treffen diese bei Hoborg auf zwei Schiffe mit 80 bewaffneten Bürgern unter, dem Vogt Andreas Jakobsson und Hans Nielsson, aus Kalmar und Borgholm an Bord.[9] Diese waren von der Jagd auf “ Seeräuber“ in Russland auf der Rückkehr nach Kalmar.[10] Nach schwedischen Angaben näherten sich die Kalmarer in Freundschaft und wurden daraufhin von den Männern der preußischen Friedeschiffe gefangengenommen.[11] Des Weitern wurden die Schiffe der Kalmarer verbrannt.[12] Die preußischen Schiffshauptleute wiederum melden am 19. August 1396, dass sie zwei Schiffe mit Seeräubern erobert haben und diese in Wisby der Seeräuberei schuldig befunden und über 77 Personen hingerichtet haben.[13] Eine Liste mit den Namen der Getöteten findet sich in den HR I.4, 619. Anschließend habe die preußische Flotte im Gollwitzer Hafen gehört, dass Königin Margarethe von Dänemark sich wegen „ungerechter Behandlung ihrer Leute“ beschwert habe.[14] Daraufhin seien sie nach Lübeck gefahren und haben die Ereignisse dem Lübecker Rat und anwesenden preußischen Sendeboten geschildert.[15] Dann haben sie einen Boten zur dänischen Königin geschickt, um mit dieser zu verhandeln.[16] Daraufhin sei die Flotte nach Schonen, Sömmershaffn, Drakör sowie Bornholm gefahren.[17]

Nachdem der Hochmeister des Deutschen Ordens Konrad von Jungingen am 5. Oktober 1396 Königin Margarethe von Dänemark berichtete, dass auf dem letzten Hansetag die Hauptleute der Schiffe, also auch Wyllam van Oringen , vernommen wurden,[18] wird am 16. März 1399 in der Versammlung zu Marienburg beschlossen, dass sie die Hauptleute der Friedeschiffe am 6 April vorladen werden.[19] Am 25. Juli 1400 wird dann über die Sühnezahlungen der Lübecker und Preußen verhandelt und es wird beschlossen, dass diese Wiedergutmachungsleistungen verrichten müssen.[20] Eine Aufzählung der gesamten Leistungen ist in den HR I.4, 620 zu finden. Im Jahr 1435 ermahnt Kalmar die preußischen Städte ihr schuldiges Sühnegeld zu zahlen. Diese erklären sich dazu bereit, sobald sie eine vertraglich garantierte Sicherheit vor Nachmahnung bekommen.[21]

Übertretung der Handelssperre gegen England:

Ein weiterer Fall, in dem Wyllam van Oringen Erwähnung findet, steht mit einem diplomatischen Konflikt zwischen den preußischen Städten und England in Zusammenhang. Dabei handelt es sich um Streitigkeiten über Zollsätze für den Tuchhandel.[22]Die anglo-preußischen Beziehungen der 1390er Jahre wurden von Konflikten, welche sich um den Tuchhandel drehten, bestimmt und besserten sich erst wieder im Jahr 1399.[23] Wyllam von Oringen hatte sich wohl zusammen mit Goswin Grote über eine Handelssperre gegen England hinweggesetzt und versucht diesen Güter zu liefern.[24] Diese wurden arretiert und von einem gewissen Hinric Smitman gelagert.[25] Eine Auflistung weiter Personen, die gegen die Handelssperre verstoßen haben, findet sich in den HR I.8, 945. Der Wert der arretierten Ladung von Goswin Grote und Wyllam von Oringen beträgt 80 Pfund.[26] Bei der Versammlung zu Marienburg am 13 März 1391 wurde beschlossen das arretierte Gut für die Bezahlung der letzten Englandgesandschaftzu verwenden.[27]

Tätigkeit als Bürge:

Des Weiteren ist Wyllam van Oringen eine der Personen, die in „Gemäßheit der flämischen Ordonnaz“ für eine Liste von Personen bürgt, welche bei der Übertretung eines Ausfuhrverbotes beobachtet wurden. Er bürgt für Albert Johansson und Albert Hermansson.[28]

Streitigkeiten seiner Erben:

Es ist davon auszugehen, dass Wyllam van Oringen nicht länger als bis zum 26.Juli 1425 gelebt hat, da auf dieses Datum ein Schreiben datiert ist, welches von Streitigkeiten zwischen den Erben Wyllam von Oringens und den Wasmodes, Untertanen der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg, handelt.[29]

Aktivitäten als Fehdehelfer: Unter preußischer Flagge beauftragt, mit Friedensschiffen nach Gotland zu segeln

Status: Schiffshauptmann

Fahrgemeinschaften: Zusammen mit Johann Mekelveld komandierte er eine preußische Friedeflotte; Mit Goswin Grote zusammen hatte er Handelsbeziehungen nach England.

Auftraggeber: Hanse entsandte 1395 eine Friedeflotte von 33 Schiffen, Preußen sollte 12 Schiffe mit 350 Mann stellen, als Operationsziel galt zunächst Wiborg

Angaben zu Schiff und Besatzung: Wyllam van Oringen war Schiffshauptmann einer der 12 preußischen Schiffe innerhalb der Friedeflotte.

Sonstiges

In folgenden Quellen wurde recherchiert und keine Zusammenhänge zu Wyllam von Oringen gefunden:

Hanserezesse I.1

Hanserezesse I.2

Hanserezesse I.5

Hanserezesse I.6

Hanserezesse I.7

Hanserezesse II.2

Hanserezesse II.3

Hanserezesse II.4

Hanserezesse II.5

Hanserezesse II.6

Hanserezesse II.7

Hansisches Urkundenbuch I.1

Hansisches Urkundenbuch I.2

Hansisches Urkundenbuch I.3

Hansisches Urkundenbuch I.4

Hansisches Urkundenbuch I.5

Preußisches Urkundenbuch I.1

Preußisches Urkundenbuch I.2

Preußisches Urkundenbuch I.3

Preußisches Urkundenbuch I.4

Preußisches Urkundenbuch I.5

Quellen

Das Virtuelle Preußische Urkundenbuch: *PrUB, JS 374 – 1397 I 3. Marienburg.

Hanserezesse I.3, 410 § 2.

Hanserezesse I.4, 1 § 7-10; 3 § 3,50; 97 § 3-5; 126 § 6; 172 § 13; 335-337; 372-379, 520 § 14; 618-621.

Hanserezesse I.8, 945.

Hanserezesse II,1 425-426.

Hansisches Urkundenbuch I.6, 589.

Literatur

Benninghoven, Friedrich : Die Gotlandfeldzüge des Deutschen Ordens 1398-1408 in : Zeitschrift für Ostforschung, Vol. 13 (1964) Nr. 3, S. 421-477.

Jenks, Stuart: England, die Hanse und Preußen: Handel und Diplomatie; 1377-1474, 3 Bände, Köln/Wien/Weimar 1992 (Quellen und Darstellung zur Hansischen Geschichte, H.F.; Bb. 38).


Einzelnachweise

  1. HR I.4, 3 § 3.

  2. HR I.4, 3 § 50.

  3. HR I.4, 376.

  4. HR I.8, 945 § 1.

  5. HUB I.6, 589.

  6. HR I.4, 376.

  7. HR I.4, 335.

  8. HR I.4, 375.

  9. HR I.4, 373-375.

  10. HR I.4, 372.

  11. HR I.4, 372.

  12. HR I.4, 372.

  13. HR I.4, 375.

  14. HR I.4, 375.

  15. HR I.4, 375.

  16. HR I.4, 375.

  17. HR I.4, 375.

  18. HR I.4, 379.

  19. HR I.4, 520 § 14.

  20. HR I.4, 618-621.

  21. HR II.1, 425-426.

  22. HR I.4, 97 § 3-5; HR I.4, 124 § 6.

  23. Jenks, Stuart: England, die Hanse und Preußen: Handel und Diplomatie; 1377-1474,S.485.

  24. HR I.8, 945.

  25. HR I.8, 945.

  26. HR I.8, 945.

  27. HR HR I.4 1 § 7-10.

  28. HR I.4, 3 § 3, 50.

  29. HUB I.8, 589.


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